Die BVG und Berlin

Eine lange Erfolgsgeschichte

Die Anfänge

Pferdestärken und Kraftomnibusse

Die Pferdekutsche galt sozusagen als Urvater des öffentliche Personenverkehrs in Berlin. Im Oktober 1846 erhielt die “Concessionierte Berliner Ommnibus-Compagnie” die Genehmigung zum Betrieb von 5 Linien in Berlin. Dabei handelte es sich um Pferdekutschen. Bereits am 1. Januar 1847 startete die erste Linie vom Alexanderplatz zum Tiergarten.

Berlin wuchs seit dieser Zeit ständig an. Auch der öffentliche Verkehr nahm zu und die Anzahl der innerstädtischen Linien wuchs. Bald bekamen jedoch die Pferdekutschen Konkurrenz von der Straßenbahn. Aber diese war jedoch genauso wie die Kutschen auf Pferde angewiesen.

Kurz nach der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert griff die Motorisierung in den Nahverkehr ein. Seit 1905 verkehrten Kraftomnibusse, da die Pferdekutschen den Schienenfahrzeugen nicht mehr gewachsen waren. Zu dieser Zeit gab es sehr viele verschiedene Bus- und Straßenbahngesellschaften, die sich gegenseitig den Rang abliefen.

Zug um Zug elektrifiziert

Entwicklung der Straßenbahn

Am 22. Juni fuhr die erste Straßenbahn vom Brandenburger Tor. Ein Jahr später wurde von der damaligen Pferdebahn fast eine Million Menschen befördert. Berlin entwickelte sich damals zum Zentrum der mitteleuropäischen Elektroindustrie, was nicht ohne Folgen für die Straßenbahn blieb. 1881 fuhr die erste elektrische Straßenbahn der Welt in Lichterfeld im Süden von Berlin. Nur 20 Jahre später, also zum Beginn des 20. Jahrhunderts, waren alle Berliner Straßenbahn Linien elektrifiziert. Sie hatte den Beinamen “Die Elektrische”.

Drüber und drunter

Hoch- und Untergrundbahnen

Durch den ständig zunehmenden Verkehr waren die Straßen bald verstopft. Ähnlich wie in den anderen Städten  London oder Paris überlegte man, auf andere Ebenen auszuweichen. Aus Kostengründen und Angst um die Stabilität des Berliner Untergrunds entschied man sich für eine Hochbahn. In den reicheren Vorortgemeinden führte sie jedoch schon in den Untergrund. Am 15. Februar 1902 wurde die erste Hochbahnlinie zwischen Potsdamer Platz und Stralauer Tor eröffnet. In den Folgejahren wurde die Hoch- und Untergrundbahn zügig ausgebaut und schnell zum Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs. 1903 nutzen knapp 30 Millionen Fahrgäste die Hoch- und Untergrundbahn.

Aus drei mach eins

Ernst Reuter und die Gründung der BVG

Nach dem ersten Weltkrieg kam es in Berlin zu tiefgreifenden politischen Veränderungen. Die Verwaltung der Hauptstadt wurde neu geregelt. Aus vielen Nachbarstädten und Landgemeinden wurde Groß-Berlin. Die Sorge der Kommunlapolitik war zu der Zeit die Grundlagen des städtischen Lebensraum zu sichern und zu verbessern. Dazu gehörte auch der städtische Verkehr.

Aus den anfänglich vielen kleinen Gesellschaften für den Betrieb von Bus und Straßenbahn und der Untergrundbahn, haben sich 3 Gesellschaften heraus gebildet, die jeweils für den Betrieb von Straßenbahn, Bus und Untergrundbahn zuständig waren. Der damalige Bau- und Verkehrsrat und später regierende Bürgermeister vereinte die 3 Gesellschaften mit Wirkung zum 1. Januar 1929 zur Berliner Verkehrs-AG (BVG).

Der Eigenbetrieb

Alle Anteile der BVG gehörten Berlin. Es gab viele Pläne, das Verkehrsnetz weiter auszubauen. Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 und den darauf folgenden Jahren des Nationalsozialismus war an den Ausbau des Nahverkehr nicht mehr zu denken. 1938 wurde dann aus der BVG ein Eigenbetrieb der Stadt Berlin.

Krieg und Wiederaufbau

Ganz Berlin lag in Trümmern und auch sämtliche Anlagen der Berliner Verkehrsbetriebe wie das Schienennetz, die Werkstätten und Fahrzeuge. Vor der endgültigen Kapitulation am 8. Mai 1945 begannen jedoch schon die Aufräumarbeiten. Der Wiederaufbau des Nahverkehrsnetzes wurde trotz der Hungerjahre mit einer enormen Geschwindigkeit durchgeführt. Bereits 1947 entsprach der Gesamtverkehr den Zahlen von 1938.

Geteilt durch zwei

Stationen einer Spaltung

Wie  Berlin, so wurde auch das Verkehrsnetz der BVG gespalten. Zwar blieb es bei einem einheitlichen Tarif trotz unterschiedlicher Währungen, doch das Netz wurde nach und nach geteilt. 1953 wurde schließlich auch nach den Omnibuslinien das Straßenbahnnetz geteilt. Die grenzübschreitenden Linien wurden eingestellt und die Sektorengrenzen mussten zu Fuß überwunden werden. Einzig und allein das U-Bahnnetz wurde noch als einheitlich betrachtet.

Schlaglicht: der 17: Juni

Am 17. Juni wurde aufgrund eines Streiks von Bauarbeitern der Ausnahmezustand ausgerufen. Daraufhin wurde der komplette Verkehr im Ostsektor Berlins eingestellt. Dies hatte auch Auswirkung auf West-Berlin. Mit Betriebsbeginn des 18. Juni wurde dann ein planmäßiger U-Bahnbetrieb nur in West Berlin wieder aufgenommen. Fehlende S-Bahn Verbindungen wurden durch Buslinien ersetzt.

Die Teilung des Verkehrsnetzes schien beinahe vollzogen. Am 1. Juli jedoch wurde der öffentliche Verkehr in Ost-Berlin wieder aufgenommen. Eine Woche später erfolgte dann auch der Betrieb des gesamten U-Bahnnetzes über die Sektorengrenzen hinweg.

Eine Geschichte von zwei Städten

Nach dem Mauerbau

Am 13. August 1961 erfolgte schließlich auch die Trennung des U-Bahnnetzes. Die beiden Berliner Stadtteile verfolgten unterschiedliche Verkehrspolitiken. In West-Berlin wurde die U-Bahn und das Omnibusnetz ausgebaut, während die Straßenbahn stillgelegt wurde. In Ost-Berlin wurde 1969 das VEB Kombinat Berliner Verkehrsbetriebe (BVB) gegründet. Die S-Bahn, welche zur Deutschen Reichsbahn gehörte, wurde weiter ausgebaut. Zusammen mit Bus, Straßenbahn und den beiden U-Bahnlinien A und E wurden die großen Neubausiedlungen am Stadtrand erschlossen.

Wieder vereint

Stationen einer Fusion – Netz, Betrieb und Unternehmen

Durch die Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 mussten Millionen neuer Fahrgäste transportiert werden. Es wurden spontane Buslinien eingerichtet, die die neuen Grenzübergänge nutzten und fehlende Bahnverbindungen ersetzten. Die Geisterbahnhöfe wurden geöffnet und mit Beginn des Jahres 1992 wurde aus der BVG im Westen und der BVB im Osten die einheitlich operierende BVG.

Stationen einer Sanierung

Rechtsform und Neustrukturierung

1994 wurde die BVG als Eigenbetrieb des Landes Berlin in eine Anstalt des öffentlichen Rechts umgewandelt. Trotz wirtschaftlicher Depression in den 90er schaffte die BVG einen Sanierungsprogramm und konnte die Grundlage für eine tiefgreifende Modernisierung legen. Es erfolgten Investitionen in die Infrastruktur und technische Innovationen.

Große Erwartungen

Die BVG und Berlin gehören untrennbar zusammen. Man kann sich eigentlich kaum noch die Straßen ohne die großen Gelben vorstellen. In kurzen Frequenzen verkehren die U-Bahnzüge und die modernen Straßenbahnen rollen durch die Stadt. Die  BVG sieht der Zukunft positiv entgegen.